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Unternehmenswerte – so lief unser erster Workshop

Knapp zwei Jahre nach der Unternehmensgründung haben wir uns bei WeAre dazu entschlossen, uns dem Thema Werte zu widmen. Warum wir das tun und wie unser Werte-Workshop ablief, das haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Braucht ein Start-up Werte?

Wenn es um Werte geht, spielt es keine Rolle, ob es sich um ein etabliertes Unternehmen oder ein Start-up handelt. Denn jede Gemeinschaft, auch Vereine, Familien, ja selbst kriminelle Vereinigungen basieren auf gemeinsamen Wertevorstellungen. Diese Werte sind nicht immer explizit sichtbar. In sehr ursprünglichen Gemeinschaften, wie Stämmen oder auch langjährigen Beziehungen richtet man sich automatisch an gemeinsamen Moralvorstellungen aus. Passiert das nicht, werden Menschen aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Andere entscheiden sich aus freien Stücken, eine Gemeinschaft zu verlassen, weil sie sich nicht mit den impliziten oder expliziten Werten identifizieren können. In zusammengewürfelten Gemeinschaften, wozu insbesondere junge Unternehmen zählen, müssen diese Werte erst noch ausgehandelt werden. Wird dieser Prozess nicht aktiv gesteuert, ist das Konfliktpotenzial hoch und mittelfristig können sich “Un-Werte” wie Missgunst und Feindseligkeit durchsetzen. Eine fehlende Werteorientierung führt dann zu einem schlechten Betriebsklima, mit allen negativen Folgen für die Leistungsfähigkeit des Teams.

Initiative aus dem Team

Der Wunsch, einen Workshop zum Thema Werte zu veranstalten, kam bei WeAre aus dem Team. Normalerweise würde man damit eine externe Beratung oder zumindest eine neutrale Moderation beauftragen. Da wir die Kompetenz aber im Team haben, wurde die Vorbereitung und Moderation von einem entsprechend geschulten Teammitglied übernommen. Das ist nicht ganz unkritisch, schließlich könnte man einem Teammitglied unterstellen, auf diese Weise seine eigenen Interessen platzieren zu wollen. Umso wichtiger ist es für den Moderator, sich absolut neutral zu verhalten, sich also nicht inhaltlich einzubringen, sondern nur den Prozess zu begleiten. Das gilt übrigens auch für die Geschäftsführung. Die beiden Gründer Maximilian Noelle und Marvin Tekautschitz waren anwesend, um die Stimmung und die Dynamik im Team aufzunehmen, allerdings waren sie nicht in die Teamarbeit involviert. Denn auch trotz flacher Hierarchien bestünde hier die Gefahr, das Gruppenergebnis durch das subjektiv empfundene Gewicht der entsprechenden Stimmen zu verfälschen. Dafür haben die Geschäftsführer im Nachgang ein Vetorecht.

Start mit einer Personal Map

Der erste der beiden Workshoptage startete am Donnerstag Nachmittag. Nach der Begrüßung durch die Geschäftsführung wurde die Moderation an das entsprechende Teammitglied übergeben. Zunächst wurden die Erwartungen der Teilnehmenden abgefragt, um zu einem späteren Zeitpunkt darauf eingehen zu können bzw. sie zu korrigieren. Dann folgte ein “Ice Breaker”. Die Personal Map ist eine unkomplizierte Methode, um einander besser kennen zu lernen. Das ist besonders wichtig, wenn die Teammitglieder auf mehrere Standorte verteilt sind, so wie bei uns auf Berlin und Bochum. Dabei schreiben die Teilnehmenden alle möglichen Details zu Ihrer Person in Form einer Mindmap auf. Diese Mindmap wird dann später von einem anderen Teammitglied kurz vorgestellt. Auch Kollegen, die sich bereits kennen, erfahren dadurch oft noch etwas Neues. Passend zum Workshop haben wir natürlich auch das Thema Werte in die Personal Map mit aufgenommen.

Vision, Mission und Werte

Dann stiegen wir konkreter in das Thema Werte ein. Die Teilnehmenden wurden gebeten, in kleinen Gruppen die Begriffe Vision, Mission und Werte anhand von Definitionen und Beispielen zu unterscheiden. Sinn dieser Übung war es, eine Diskussion über die Begriffe anzuregen, weil dies eine gute Möglichkeit ist, sich geistig damit auseinanderzusetzen. Weitere Beispiele verdeutlichten die zunehmende Relevanz von wertegetriebenen Unternehmen. Zum Abschluss des ersten Theorieblocks wurden die Ergebnisse einer Online-Befragung präsentiert, an der die Kolleginnen und Kollegen im Vorfeld des Workshops teilgenommen hatten. Dabei ging es um die Zustimmung zu 120 generischen Werten, die dann in ein Ranking überführt wurden, um Gemeinsamkeiten im Team aufzuzeigen.

Das erste Brainstorming

Mit diesem Handwerkszeug in der Tasche gingen wir zum ersten Brainstorming über. Die erste Brainstorming-Frage lautete: “Was macht einen Anbieter von VR-Konferenzen aus?”. Dies ist eine sehr generische Frage, die auf die allgemein gültigen Branchenregeln abzielt. Dieser Schritt ist wichtig, denn erfahrungsgemäß fallen in der ersten Brainstorming-Runde eher Allgemeingültigkeiten, die kaum zur Abgrenzung geeignet sind. Um diese allgemein gültigen von den ganz speziellen Werten unterscheiden zu können, wurden sie gesammelt. Die zweite Frage lautete dann: “Was macht WeAre im Besonderen aus.” Erfahrungsgemäß fallen auch die Inhalte zur zweiten Frage noch recht allgemein aus, das ist an dieser Stelle aber noch erlaubt. Um die Feinheiten ging es am zweiten Workshoptag.

Teamarbeit wird überschätzt

So etwas wie ein Werte-Workshop ist natürlich sehr eng mit dem Teamgedanken verknüpft, deshalb haben wir den ersten Tag mit einem gemeinsamen Grill- und VR-Spieleabend ausklingen lassen. Den nächsten Morgen haben wir dann mit einem bekannten Teambuilding-Spiel gestartet, bei dem es darum geht, aus Marshmellows, Spaghetti und Klebeband einen möglichst hohen Turm zu bauen. Umso überraschter waren die Teilnehmer, als es nach einem weiteren theoretischen Input plötzlich hieß: “Ab sofort arbeitet jeder für sich alleine.” Denn Teamarbeit hat nicht nur Vorteile. Gerade in Workshop-Situationen erlebt man es immer wieder, dass Teammitglieder viel zu viel diskutieren und die Ideen anderer zerreden. Daher ist es sinnvoll stille Phasen einzubauen, in denen jeder die Chance hat, seine eigenen Ideen zu Ende zu denken und aufzuzeichnen, ehe sie bewertet werden. Die Teammitglieder waren nun also gefordert, mindestens drei und maximal zehn Werte aufzuschreiben, dabei möglichst konkret zu werden. Einzelbegriffe sind hierzu weniger geeignet.

Demokratisches Bewertungsverfahren

Die gesammelten Werte wurden nun an Pinnwänden befestigt und im ersten Schritt mit Klebepunkten bewertet. Jeder Kollege hatte fünf Punkte (Stimmen) zur Verfügung, die er frei verteilen konnte. Die Unternehmenswerte, die mindestens zwei Stimmen erhielten, wurden dann an einer anderen Wand befestigt. So kamen ca. 20 Werte zusammen, die nun einem weiteren Bewertungsverfahrenunterzogen wurden. In diesem weiteren Schritt haben wir dann nicht die Zustimmung gemessen, sondern die Ablehnung. Dieses Bewertungsverfahren nennt sich “Systemisches Konsensieren” und beleuchtet eine Dimension, die beim Mehrheitsverfahren meist unter den Tisch fällt. Jedes Teammitglied schreibt eine Punktzahl zwischen Null und Zehn auf (0 = keine Ablehnung / 10 = maximale Ablehnung). Dann werden die Punkte zusammengezählt. Bevorzugt werden die Vorschläge mit der niedrigsten Punktzahl, also die mit der geringsten Ablehnung.

Der Anfang ist gemacht

Das Ergebnis des Workshops ist noch nicht final. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Formulierung der Werte nach einer solch kurzen Zeit meist noch nicht perfekt und bedarf der Konkretisierung, zum anderen kommt hier nun die Geschäftsführung ins Spiel, die sich während des Workshops vorbildlich zurückgehalten hat. Sie ist es, welche die Werte vorleben und vertreten muss, daher hat sie ein Veto-Recht. Natürlich empfiehlt es sich, so nahe wie möglich beim Team-Votum zu bleiben, doch sollten die Geschäftsführer sich nicht mit den Werten identifizieren können, müssen sie die Möglichkeit haben, zu intervenieren. Ohnehin ist das Werte-Thema mit einem Workshop nicht abgeschlossen, vielmehr ist er die Initialzündung hin zu einer werteorientierten Unternehmenskultur. Das geht nicht über Nacht, die Geschäftsführung und das gesamte Team sind nun gefordert, ihre Ideen mit Leben zu füllen. Werte sind die Basis für Vision, Mission und die Unternehmensstrategie. Sie müssen sich in der Personalführung genauso widerspiegeln, wie im Kundenkontakt. 

Fazit

Start-ups werden mit einer Idee geboren. Meistens geht es dabei um ein Produkt, das zu Beginn alle Aufmerksamkeit bindet. Werteorientierung spielt dabei selten eine Rolle. Die Folge: je größer das Team wird, desto größer werden oft auch die Meinungsverschiedenheiten. Das wollen wir bei WeAre besser machen. Der Workshop hat uns nochmals verdeutlicht, wie engagiert die einzelnen Teammitglieder bei der Sache sind und wie groß das Interesse ist, das gemeinsame Umfeld zu gestalten. Das ist für uns der Auftrag weiterzumachen und neben unserem Produkt, auch in unser Team zu investieren. Unsere Werte werden nun konkretisiert, um dann darüber nachzudenken, wie wir sie konkret in den Unternehmensalltag integrieren.

Fotos: Carsten Deckert

David Frühauf, Head of Communications.
written by
David Frühauf
David Frühauf ist Head of Communications bei der WeAre GmbH. Er trägt die Vision der grenzenlosen Kollaboration durch Kommunikation in die Welt. Persönlich setzt er sich für menschenfreundliche Unternehmensstrukturen und nachhaltiges Wirtschaften ein.

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